Dwyane Wade und Ich
Ich konnte Dwyane Wade nicht leiden. Doch ich muss ihn nun anerkennen, als einen der Großen in dieser Liga.
Ich konnte Dwyane Wade nicht leiden. Ein blödes Vorurteil. Jedem, der mich dafür anklagen will lache ich ins Gesicht. Wer ist schon frei von Vorurteilen? Nur Heuchler. Das Vorurteil ist schon da bevor die Neutralität an das Hirnkästchen klopft- ohne das wir bewusst irgendetwas steuern können. Einer dieser naturgegebenen Schutzreflexe, für die sich die moderne Gesellschaft glaubt, entschuldigen zu müssen.
Ich kenne Dwyane Wade gar nicht. Alles was ich von ihm weiß, habe ich aus den zwei Stunden, die er im Laufe seines Tages auf einem NBA Spielfeld verbringt. Aus den wenigen Sekunden in denen er dunkt, wirft, passt und dribbelt. Aus den Augenblicken dazwischen- in Werbepausen wird sein Drehtag zu einem Spot verkürzt- ein Schauspieler aus ihm gemacht. Von den Journalisten und Internetforen die über Wade schreiben, ihn persönlich aber auch nicht kennen.
Fangen wir beim unbefangensten aller Augenblicke an. Miami hat wieder die Play-Offs erreicht. Eine interessante Truppe um Topscorer Eddie Jones. Lamar Odom scheint sein Potential hier ausleben zu können . Rafer Alston und Caron Butler machen langsam auf sich aufmerksam. Brian Grant wird zukünftig von Udonis Haslem abgelöst.
Diese Mannschaft macht Spaß. „Hey, ist das nicht Ron Jeremy an der Seitenlinie? Oh und dieser Junge; alle reden über Bron und Melo, aber ich sag euch Dwyane Wade rockt diese Liga.“ Er hat hunderte von frischen Moves, spielt unbefangen, seine Dunks überraschen einen immer aufs Neue- die NBA scheint die richtige Spielwiese für diesen Rookie zu sein. Ich stelle mir einen Dwyane Wade vor, wie er allein auf dem Freiplatz ist. Seine Phantasie diktiert ihm seine Moves, seine Tagträume zwischen zwei Körben definieren sein Ziel. Diese Spieler sind mir die liebsten.
Die Heat hauen die Hornets in sieben Spielen raus. Wade spielt groß, nicht nur in der Crunch-Time. Das Aus kommt gegen Indiana, aber diese Heat sind keine Enttäuschung. Ich sehe ein sympathisches Team mit gesunder Zukunft und einem „Player“.
In der Off-Season wird alles anders. Shaquille O´Neal kommt. Das ist ja eigentlich kein Problem. Wo Shaq ist, sind die Augen auf eine Championship gerichtet, Dwyane Wade entwickelt sich in seinem zweiten Jahr zum Superstar, wie geplant, trotzdem ist hier etwas faul. Dieses Heat-Team hat innerhalb von drei Saisons, drei Mal den Stil gewechselt. Wie ein verwirrter Pubertierender, der sich zwischen Rap, Rock und Techno nicht entscheiden kann und alle Stile ausprobieren muss.
Konsequenz? Ist das die richtige Vokabel für das, was diesem Team fehlt? Immerhin ist eine Stetigkeit vorhanden. Von Lottery zum Play-Off Team zu Conference Finale zu Champion. Aber das alles in einer Geschwindigkeit, die keinen Raum zum Genießen lässt. Das Team mit den ausgeglichenen Role-Playern, wo jeder Zwanzig machen kann aber keiner Zwanzig im Schnitt macht, wird zu einem Haufen von Superstars, die sich alle unter Wert verkaufen um eine Meisterschaft zu gewinnen. Shaq und Wade reichen nicht. Jason Williams, Antoine Walker, Alonzo Mourning, Gary Payton und James Posey stehen auf der Einkaufsliste und führen dieses Heat Team zum Titel. Wie eine Soße, die streng nach Rezept gekocht wird auch schmecken kann- es fehlt die Zutat, die Prise Kreativität, die aus ihr etwas Einzigartiges macht.
Dwyane Wade darf auf seinem Weg zur Meisterschaft nicht berührt werden. Das Internet ist voll mit Verschwörungs-Theorien und auch ich erkenne in den Spielen gegen die Pistons und die Mavericks eine wahnwitzige Linie der Schiedsrichter. Wade schneidet wie das Messer durch die warme Butter und bekommt Freiwurf für Freiwurf geschenkt. Es wirkt tatsächlich wie Schiebung. Früher konnte Wade mit seiner Art begeistern und jetzt erntet er Unverständnis und Kopfschütteln dafür- aus negativen Gründen; und er kann nicht mal was dafür.
Ich konnte Dwyane Wade nicht mehr leiden. Er war nicht schuld daran. Vielmehr war es Pat Riley, der GM und Head Coach, sowie die Refs und David Stern, die Wades Umwelt veränderten und ein anderes Licht auf sein Spiel scheinen ließen. Er wurde zu schnell zum Champion und Finals MVP- nicht unverdient, aber irgendwie doch.
Shaqs Schuld war es auch nicht, zumindest glaubte ich das. Trotzdem fiel mir eine Parallelität auf. Ich war kein großer Anhänger von Penny Hardaway. Natürlich, seine Spielweise war unbestreitbar von der feinsten Sorte. Von der Sorte, die das Spiel revolutionieren konnte. Doch Penny lernte ich erst schätzen, als Shaq ein Laker war und Hardaway einen bravurösen Kampf in der Play Off Serie gegen Miami lieferte. Heute zähle ich ihn zu den besten Spielern, die ich gesehen habe.
Auch bei Kobe dauerte es, bis ich ihn als den großartigen Spieler akzeptierte, der er bis heute ist. Dauerte es, bis Shaq keine Meisterschaft mit Los Angeles holen konnte und erst als Kobe isoliert war konnte ich in den Chor mit einstimmen und singen: „bester Spieler des Planeten.“ Zu lange hatte ich wohl seine Rookie-Ego-Airball-Show gegen Utah im Kopf.
Wades Karriere drohte nach dem rasanten Aufstieg der totale sportliche Absturz. Nach der Championship in der ersten Runde von den Bulls rausgefegt, Verletzungen, im Jahr darauf das mieseste Teams der Liga mit nur 15 Siegen.
Ich bin enttäuscht, glaube die Karriere ist jetzt schon vorbei. Große Erolge und ab jetzt noch 7 Jahre NBA Laufbahn à la Antoine Walker, von einem Team zum nächsten geschickt. Es ist nicht Wades Spiel, nicht unbedingt seine Verletzungen, die mich so denken lassen. Vielmehr ist es was Dwayne Wade in der Presse von sich gibt. Man hat das Gefühl er wandelt in die Weltfremde. Zu hören sind Ansagen, wie er sein „Imperium“ aufbauen will; in Hollywood und als Businessman. Verwischt das Bild von dem Jungen auf dem Freiplatz.
Doch mit der Saison 2008/2009 kommt das andere Gesicht von Dwyane Wade wieder zum Vorschein. Der Basketballer, der das tut was er am besten kann: Basketball spielen. Die Heat sind auf dem Weg in die Play-Offs und es liegt nicht an Draft-Pick Michael Beasley, der vor der Saison tönte, er wolle nicht nur Rookie of the year werden, sondern MVP. Er kann zumindest zusehen wie ein MVP gemacht wird, denn Teamkollege Wade hätte diesen Titel durchaus verdient, ginge er nicht nach Cleveland zu Lebron James. Es ist ganz allein Wades Zauber, der die Heat dieses Jahr wieder gefährlich macht. Er ist nun endlich auf diesem Level angekommen, wo ich ihn in seiner Rookie Saison vorgesehen hatte. Alles davor ist für mein Bild von ihm nicht bedeutend. Dwyane Wades Superstar Karriere beginnt jetzt. Jetzt wo Shaq weg ist, kann ich sagen: Ich mag Dwyane Wade und er ist mit der beste Spieler dieser Liga. Es macht wieder Spaß.

