Der Gewinner der Offseason: die Chicago Bulls
Zugegeben, auf den ersten Blick wirkt es nicht ganz schlüssig, warum die Chicago Bulls die Gewinner der Offseason sind. Schließlich haben die Miami Heat nicht nur Franchise-Player Dwyane Wade behalten, sondern mit LeBron James und Chris Bosh auch noch einen denkwürdigen Coup gelandet. Und als wenn das nicht genug gewesen wäre, schaffen sie es auch noch, ihr Roster mit Spielern wie Mike Miller oder Eddie House zu füllen. Trotzdem sind sie nicht die Gewinner der Offseason.
Blicken wir zunächst auf die Chicago Bulls: Sie haben mit Carlos Boozer endlich die nötige Verstärkung für den Frontcourt geholt. Boozer ist nicht unbedingt der loyalste Spieler der NBA und mag irgendwann für Probleme sorgen, aber auf dem Spielfeld liefert er konstant seine Leistungen ab. Ein Risiko-Faktor ist Boozer daher nicht. Dazu kamen Kyle Korver und Ronnie Brewer als Ersatz für Kirk Hinrich, den die Bulls endlich getradet haben. Sie bilden eine starke Rotation auf dem Shooting Guard, die entweder offensiver (mit Brewer) oder defensiver (mit Korver) ausgerichtet sein kann.
Das Roster der Bulls ist damit ausgeglichen besetzt und bietet vielseitige Möglichkeiten – vor allem weil Boozer und Noah sehr variable Big Men sind, die nicht unbedingt direkt am Korb bedient werden müssen. Das reißt Lücken in die Verteidigung, die zum Beispiel von Derrick Rose oder Ronnie Brewer genutzt werden können.
Und das wichtigste: Das Roster der Chicago Bulls wurde im Kern zusammen gehalten und wird es auch die nächsten Jahre bleiben. 2011 werden lediglich Joakim Noah Restricted Free Agent und Kurt Thomas Unrestricted Free Agent. Die Chicago Bulls sind dabei, etwas aufzubauen, was auf Nachhaltigkeit setzt. Ein Begriff, den man heutzutage überall sehr häufig hört – nur nicht in der NBA. Okay, bei den Bulls gehörte auch viel Glück dazu, wenn man sich mal die chaotischen Verhältnisse vor ein oder zwei Saison vor Augen hält. Aber von heute aus betrachtet, haben sie eine gute Zukunft vor sich.
In den vergangenen zwei Jahren haben die Bulls jeweils die Playoffs als Achter erreicht und schieden in der ersten Runde aus. Nun sollte mehr drin sein für die Bullen, die mit ihren jungen Spielern Derrick Rose oder Joakim Noah noch viel Luft nach oben haben. Wenn sie das System vom neuen Coach Tim Thibodeau schnell verinnerlichen, kann Chicago bereits 2010/11 mit den Orlando Magic oder Boston Celtics mitspielen. Und spätestens 2011/12 sollte man sie definitiv auf der Rechnung haben.
Die Chicago Bulls haben sich also verstärkt und sind zum Contender aufgestiegen, wie auch schon ESPN festgestellt hat. Natürlich sind auch die Miami Heat zum Contender aufgestiegen – darüber muss man kaum diskutieren. Aber die gesamte Welt scheint die Miami Heat nun zu hassen. Ihr Modell wirkt monströs und unsportlich, scheint die Regeln des Salary Cap auf den Kopf zu stellen. Und alle warten nur darauf, dass sie scheitern. Scheitern ist in dem Fall klar definiert: Wenn die Heat nicht den Titel holen, sind sie bereits gescheitert. Die Chicago Bulls haben dagegen noch Zeit zu wachsen und sind deswegen die Gewinner des Sommers.



