Allen Iverson wird lange warten müssen, bis er ein Angebot von einem NBA Team auf seinem Schreibtisch liegen hat. Und jeder Tag, der vergeht, wird an dem viermaligen Scoring-Champion kratzen. Mit jeder Woche wird er sich mehr fragen, warum ihn niemand haben möchte. AI muss sich schon vorkommen wie der pummelige Junge, der beim Zusammenstellen der Mannschaften als letztes gezogen wird. Warum? Warum ist Allen Iverson dieser pummelige Junge?
Kein Platz am Big Apple
Die New York Knicks waren als heißester Kandidat gehandelt worden. Die Mannschaft war 1-9 in die Saison gestartet. Und dennoch hat Knicks Präsident Donnie Walsh nun erklärt, nicht mit Iverson verhandeln zu wollen. Der 34-Jährige würde in den Rebuilding-Plan der Franchise nicht passen. Das ist eine richtige Feststellung, wenn man junge Talente aufbauen möchte. Denn Iverson braucht nicht nur Spielzeit, sondern auch häufig den Ball.
Mit Chris Duhon spielt zwar ein 27-Jähriger auf der Eins, aber Rookie Toney Douglas läuft auf der Zwei auf und Small Forward Danilo Gallinari ist auch erst in seinem zweiten NBA Jahr. Die Knicks sind zwar schlecht gestartet – mit einer Bilanz von 1-9 werden sie mit den Play Offs nichts zu tun haben – und genau deswegen holen sie Iverson nicht. Denn er würde ihnen nur kurzfristig weiterhelfen. Er wäre vielleicht der Spieler, der den Unterschied zwischen Platz acht und neun im Osten ausmachen würde.
Man kann das kritisieren und sich fragen, ob Douglas und Gallinari wirklich die Spieler sind, die die Franchise New York Knicks irgendwann wieder in Richtung Play Offs führen werden. Aber man kann Walsh auch verstehen, wenn er sein Team nicht durch die Verpflichtung von Iverson komplett durcheinander würfeln möchte.
Die Stats eines Starters
Es muss schwer zu verstehen sein für Iverson, warum er nicht einfach in die Starting Five der Detroit Pistons und später der Memphis Grizzlies kam. Bis auf 2008/09 hat er in keiner Saison weniger als 20 Punkte im Schnitt aufgelegt. Nie weniger als vier Assists. Und selbst vergangene Saison, in der er abgeschrieben wurde, hat er durchaus gute Stats abgeliefert: Bei den Pistons kam er auf 17,4 Punkte und 4,9 Assists. Mit diesen Werten kann er einen Platz in der Starting Five einfordern.
Dennoch wurde in der Vergangenheit anderen der Vorzug gegeben. Weil ein Coach sich schwer tut, einem Spieler wie Allen Iverson seine Mannschaft in die Hände zu geben. Der Point Guard wird oft als der verlängerte Arm des Trainers angesehen. Der das Spiel ins Laufen bringt und die Bälle verteilt. Iverson bringt nur sich selbst ins Spiel. Er sagt selbst, dass er unbedingt gewinnen möchte. Aber er handelt im festen Glauben, dass er selbst der Schlüssel zum Sieg sei. Das ist er inzwischen nicht mehr.
Iverson steht sich selbst im Weg
Während sich viele andere alternde NBA Spieler im Herbst ihrer Karriere einem Contender anschließen, um noch einmal einen Ring zu gewinnen, verbaut sich Iverson diese Chance selbst. Denn er müsste sich dann unterordnen, mit einer Rolle als erfahrener Bank-Spieler zufrieden geben. Das kann er nicht. Er hat das in Detroit und in Memphis so eindrucksvoll bewiesen, dass jedes Team die Finger von ihm lassen wird. Es ist eine Wette mit viel Risiko, Iverson ins Team zu nehmen. Und es gibt nur eine Situation, in der eine Mannschaft sie eingehen würde: Wenn sie um die Play Offs kämpft und einen letzten Impuls braucht, um es vielleicht doch noch von Platz neun auf acht zu schaffen.
Diese Situation wird sich erst im Frühjahr ergeben. Lange wird Iverson warten müssen. Und mit jedem Tag wird ihm das Warten schwerer fallen. Wird er irgendwann Aufmerksamkeit erregen wollen für den Fall, dass man ihn schon vergessen hat. Mit dummen Sprüchen oder sogar mit Eskapaden. Und auf diese Weise wird er sich wohl selbst jeder Chance berauben, noch einmal in der NBA aufzulaufen. Es sieht vieles danach aus, als wenn die Karriere des Allen Iverson beendet ist.
