Ich habe schon lange kein Bundesliga-Spiel mehr gesehen. Hier in München regiert der Fussball. Die BBL findet erst in Bamberg statt. Fernseher? Hab ich keinen- und da lief auch seit Jahren nichts mehr auf DSF. Premiere? Keine Ahnung, ob die was bringen.
In meinem Bekanntenkreis reden wir auch nicht mehr über Bundesliga Basketball, seitdem die Medien den Mantel des Schweigens darüber legten. Ich kann mich an Satzfragmente erinnern, die im Zusammenhang ungefähr so klingen: “Ich kenn da keinen Spieler”, “da spielen doch eh nur C-Klasse Amis” oder “die schießen das ganze Spiel über nur Dreier”. Ob das so stimmt?
Ich schaue mir die Scoring Leader der BBL an. Ich muss kurz schmunzeln, denn ein gewisses Bild scheint bestätigt. Unter den 50 besten Punktesammlern befinden sich 45 Amerikaner, 2 Kanadier, 2 Serben und 1 Deutscher. Die Namen klingen wirklich unbekannt. OK, Rickey Paulding und Will Blalock; zwei spektakuläre End Zweitrunder.
EIN DEUTSCHER? in der deutschen Liga? Heiko Schaffartzik an Stelle 37? Kein Wunder, dass man da das Interesse verliert.
Klar, die Amerikaner sind die begabtesten Basketballer der Welt- man braucht sie. Sie werden auf den Colleges in Massen ausgebildet und nur ca.40 können pro Jahr in die NBA übernommen werden. Einige in die D League andere in Europa und den Rest der Welt.
Doch ist dieses Verhältniss in Deutschland nicht arg übertrieben? Ich vergleiche mit anderen Ligen:
In Frankreich sind unter den Top-50-Scoren auch immerhin 33 Amerikaner. Allerdings auch 10 Franzosen und 7 andere Ausländer. In Spanien sind unter den Top 10 Scorern nur 4 Amis, 3 Eigengewächse und 3 Gäste (Igor Rakojevic ist der Top Scorer). Italien ist uns noch am ähnlichsten. Sie führen 37 US-Boys, 11 andere Legionäre und nur 2 Italiener.
Schauen wir in zwei kleinere Ligen: Die Polen haben 29 Amerikaner, 12 Polen und 9 Gastspieler, in Österreich ist das Verhältnis 26-11-13. Mit Martin Speiser sogar ein echter Ösi unter den Top 10. (Und mit Tilo Klette ein Altbekannter auf Platz 24.)
Statistiken kann man drehen und wenden wie man will, sie für aussagekräftig halten oder nicht, aber hier glaube ich sieht man doch eine ganz gewaltiges Problem der Bundesliga: Sie ist zu weit entfernt von ihren nationalen Spielern. Das, was mir an Urteilen über die BBL, über die Nachwuchs-Misere im Kopf geblieben ist, sehe ich bestätigt.
Wie gesagt, ich kann über die BBL kaum mehr sagen, als das Knappe, das durch die Medien sickert. Ich weiß nicht, ob es der Liga gut geht oder nicht. Ich weiß nicht, wie sie im Rest von Deutschland angenommen wird, aber der kleine Einblick, den ich heute darauf gewonne habe, ist mir noch kein Ticket nach Bamberg wert.

