Etwa eine Woche dauert nun schon die Auszeit von Allen Iverson. Ob und wann er zurückkehrt, bleibt weiter unklar. Wie geht es für ihn weiter? Zeit für Spekulationen und Gerüchte.
Die Ausgangslage:
Iverson hat die Memphis Grizzlies verlassen, um persönliche Angelegenheiten zu lösen. Ob das stimmt, kann getrost angezweifelt werden. Zumindest wird das nicht der einzige Grund sein, warum A.I. sein Team alleine lässt. Nachdem er den Saisonstart aufgrund einer Verletzung am Oberschenkel verletzt hatte, war er unzufrieden gewesen mit seiner Spielzeit. Mit lediglich 12,3 Punkten und 2,3 Assists lieferte er für ihn dürfitige Stats ab. Kurz bevor sich Iverson zurückzog, erklärte sein Coach, Lionel Hollins, zudem, dass er auch weiterhin von der Bank kommen würde.
Darum ist Memphis keine Option für Iverson:
Wenn Iverson zurück zu den Grizzlies geht, wird er sich dort wieder dem System von Hollins unterordnen müssen. Er wird seine Rolle als Bankspieler annehmen müssen. Und er wird sich weitere Spielzeit erst erarbeiten müssen. Dass Hollins ihm diese Rolle gegeben hat, war auf der einen Seite naiv. Schließlich hat Iversons Episode bei den Detroit Pistons verdeutlicht, dass er nur einen Platz in der Starting Five annimmt – und auch nur dann gute Leistungen zeigen kann. Hollins wollte den zuvor verletzten Star vielleicht behutsam an die NBA heranführen – das war ein Fehler. Dass Iverson das als Degradierung und Demütigung empfinden würde, hätte ihm klar sein müssen.
Aber auf der anderen Seite hat Hollins mit Mike Conley und O.J. Mayo zwei aufstrebende Guards im Roster. Sollte er sie nur aufgrund der Star-Allüren eines viermaligen Scoring-Champions auf die Bank schicken? Die Entscheidung von Hollins ist durchaus nachvollziehbar und wirft die Frage auf, warum die Franchise den Point Guard verpflichtet hat. Hollins wird seine Linie weiterfahren, sollte Iverson zurückkommen. Ansonsten würde er schließlich auch seine eigene Autorität untergraben. Und damit würde Iverson sicher nicht zurecht kommen, außer wenn er sich gerade einem radikalen Charakterwechsel unterzieht.
Darum steht Iverson nicht bei vielen Teams auf der Wunschliste:
Schon im Sommer hatte Iverson es schwer, eine neue Mannschaft zu finden. Als einer der letzten Free Agents ging er nach Memphis, auch weil er kaum andere Möglichkeiten hatte. Einigen Teams war Interesse nachgesagt worden, aber zu konkreten Verhandlungen war es meist nicht gekommen. Durch sein Auftreten bei den Grizzlies hat sich seine Position nicht gerade verbessert.
Jede Mannschaft, die ihn verpflichtet, muss sich über zwei Dinge klar sein: Iverson braucht einen Platz in der Starting Five und viel Spielzeit. Andere Spieler aus der bisher eingespielten Mannschaft werden daher zurücktreten müssen, was die Team-Chemie enorm stören kann. Dennoch gibt es Mannschaften, für die ein Engagement von Iverson interessant sein könnte, vielleicht sogar müsste – denn so billig kann man einen so guten Spieler selten bekommen.
Diese Teams könnten Iverson verpflichten:
Wenn man neue Manschaften für Iverson sucht, dann muss man sich im Tabellenkeller umsehen. Denn Iverson ist nicht das fehlende Puzzle-Teil, das einem Contender zum Titelgewinn fehlt. Er braucht eine Mannschaft, bei der er der unumstrittene Star ist und die notfalls für ihn spielt. Zwei Teams könnten Verstärkung auf den Guards gebrauchen: die Charlotte Bobcats und die New York Knicks.
Bei den Bobcats war Iverson bereits im Sommer gehandelt worden. Schließlich könnte er dort unter seinem alten Coach Larry Brown spielen. Zudem hat die Franchise mit Raymond Felton einen ordentlichen, aber eben auch nicht sonderlich guten Aufbau. Iverson würde dem Team Scoring-Power geben und den unbedingten Willen zum Sieg. Eine Saison, die bisher mit gerade mal drei Siegen aus neun Spielen mager begonnen hat, könnte vielleicht noch in den Play Offs enden.
Die Knicks haben in der Off Season ebenfalls nach Verstärkung auf der Eins gesucht. Und niemanden gefunden, auch weil sie mit Rücksicht auf 2010 nur Einjahresverträge verteilen wollten. Ergebnis: Der Kader ist so schwach besetzt wie noch nie in New York. Ein einziges Spiel konnten die Knicks bisher gewinnen. Dass es keine ruhmreiche Saison werden würde, war der Führung sicher schon vorher klar. Aber so schlimm? Wenn die Knicks im Sommer LeBron James verpflichten wollen, müssen sie nicht nur Cash bieten, sondern auch eine bessere Tabellenplatzierung. Dabei könnte ihnen Iverson helfen. Den derzeitigen Starting Point Guard Chris Duhon würde er mühelos aus der Ersten Fünf vertreiben. Aufgrund mangelnder Alternativen im Angriff würde er zudem die erste Option sein.
Oder doch Karriereende?
Die Suche nach einem neuen Team könnte sich für Iverson leicht zu einem Langzeitprojekt entwickeln. Je länger “The Answer” wartet, desto mehr wird er sich folgende Frage stellen: Muss ich mir das wirklich antun? Jede Mannschaft, die ihn aufnehmen würde, hat mit dem Kampf um die Play Offs nichts zu tun. Iverson aber will gewinnen. Jedes neue Engagement würde für ihn viel Frustration bedeuten. Gut möglich, dass er sich zweimal überlegt, ob es das wirklich wert ist.
