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LeBron: Mehr als ein MVP

Jung. Reich. Erfolgreich. Schwarz. Die Geschichte beginnt mit Michael Jordan. Die Nummer 23 steht für einen Mythos, den sich Verschwörungstheoretiker nicht besser zusammenschustern könnten. In der Phase, in der die NBA sich von der nationalen Basketball-Liga zum Global Player entwickelte, wo Massenmedien sich selbst, gepaart mit ihren Inhalten boomten, wo Druckmaschinen bevorzugt das Geld für Unterhaltung, Merchandise und Public Relations produzierten, da wurde „His Airness“ geboren. Ein Normalsterblicher (wie man es an seinem Post-NBA-Dasein immer besser erkennt), der eine ganze Generation mit seinem Basketball-Talent hörig machte. Seine Jünger lassen keine Diskussion zu: Bester Basketballer aller Zeiten. Sechs Championships geben dieser Behauptung Stütze, doch wollen wir auch beachten, dass Michael Jordan der erste Popstar der Basketball spielenden MTV-Generation war. Leicht fällt hier das Groupie-sein.

Wollen wir den Julius Ervings und den Magic Johnsons ihren Anteil am Aufstieg der Liga und des Sports generell nicht aberkennen-Michael Jordan vereinte diese beiden Prototypen zum ultimativen Basketball-Orgasmus.

Im Alter von 24 erzielt Jordan über 35 Punkte pro Spiel, stellt sich damit schon früh neben den dominantesten Spieler von allen, Wilt Chamberlain. Er ist anders, er ist jung. Er trägt schwarze Schuhe. Beim Slam Dunk Contest funkelt neben dem aufgehenden Stern seiner Person auch das Goldkettchen um seinen Hals. Ein Symbol für den neuen Spielertypen. Jung. Reich. Erfolgreich. Schwarz. Michael Jordan repräsentiert eine neue Generation, eine freie Generation: die New Jacks, die Afro-Amerikaner, die nicht länger versklavt oder unterdrückt werden, sondern jene, die sich ein fettes Stück vom American Dream abschneiden.

MVP

Jung. Reich. Erfolgreich. Schwarz. Als Tupac Shakur 24 ist, wird er für 1,4 Millionen Dollar Kaution aus dem Gefängnis geholt, arbeitet an seinem Doppel-Album „all eyez on me“ und katapultiert sich damit an die Spitze der zwielichtigen Rap-Industrie. 2pac ist in vielen Punkten das Gegenteil von Michael Jordan. In vielen Punkten sind sie sich ähnlich. Jung. Reich. Erfolgreich. Schwarz. Hart arbeitend und voller Tatendrang.

Shakur ist kein New Jack, er geht nicht Hand in Hand mit dem weißen, kapitalistischem Amerika; er verdient seinen Reichtum damit, dass er Missstände anprangert und die Obrigkeit dafür verantwortlich macht. Er wird das Vorbild einer revolutionären schwarzen Bewegung, die sich an den Black Panthern orientiert. Wie eine Parallelwelt im amerikanischen System, schafft es die Stimme einer System-feindlichen Bewegung diesmal nicht nur zum öffentlichen Feind bzw. Helden, sondern auch zum Multimillionär. Er paart die mediale Präsenz von Michael Jordan mit den Lehren von Malcolm X, Martin Luther King und Huey Newton; Bürgerrechtler welche seine Zukunft  vorzeichneten. Sie alle starben durch die Kugel, aber nur Tupac kam vorher in den Genuss des Reichtums einer verhassten kapitalistischen Gesellschaft.

Und seine Predigten trugen Früchte. Giftige Früchte vor denen Amerika Angst hatte. Selbstbewusste, tätowierte und gewaltbereite Jugendliche. Afro-Amerikaner die ihre Chance auf Erfüllung des American Dreams im Drogenhandel und im Rap-Business suchten und damit die Schattenseiten Disneylands aufzeigten. Diese Jugendlichen machten auch vor der Liga nicht halt. Allen Iverson in Baggy-Pants wird das Aushängeschild der NBA, nicht Grant Hill, der Klavierspieler aus gutem Hause.

Mit 24 Jahren, als Lebron James MVP wird, ist Barack Obama der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten. Kobe Bryant, der 1zu1 Michael Jordan der Neuzeit, geht neben der Herrschaft des Kings langsam unter. Er ist bei all seiner Großartigkeit ein Relikt der Neunziger- wie Will Smith. Ein neuer Spielertyp ist gefragt und James markiert seine Attribute. Jung. Reich. Erfolgreich. Schwarz. Change. Eine Emanzipation des Afro-Amerikaners. Ein charakterstarker Superstar, dessen Hip-Hop Allüren gebilligt werden.

Jeder akzeptiert Lebron als den neuen Messias der NBA und keiner hat einen Anlass, sich über seine Herkunft, seine Vergangenheit oder sein Auftreten zu beschweren. Es ist die Vereinigung von Michael Jordan und Tupac Shakur, die das Spiel auf das nächste Level heben wird; die Evolution einer Spielerkultur, die ein vernünftiges, Schmelztiegel-nahes Gesellschaftsbild auf dem Hallenparkett wiederspiegelt.  Dieselbe Energie, gelenkt auf das ultimative Ziel das Alpha Tier zu sein,  welches jedoch sein Ego zurückschrauben kann, welches teilt und eingliedert. Ein positiver Anführer, der der sinn-suchenden Jugend ein Idol ist, weil er natürlich bleibt, einen Spaß versteht und erfolgreich ist. Ein Idol, das nicht nur durch sein Spiel sondern auch durch sein Wesen überzeugt. Der MJ für die extrovertierte Hip Hop Generation. David Stern kann beruhigt schlafen. Sein neues Zugpferd braucht keine Maßregelungen wie einen vorgeschriebenen Dress-Code. Es ist ein unterhaltsamerer Michael Jordan außerhalb des Spielfelds und ein aufgeschlossenerer, weniger zornig wirkender Tupac Shakur in den Abendnachrichten. 

alex meint,

Mai 6, 2009 @ 9:59 pm

geiler bericht

Stephan meint,

Juli 1, 2009 @ 11:27 pm

Jap sehr cool. Ich wünsche Lebron, dass er sich in seinem wohl letztem Jahr in Cleveland ein Denkmal setzt und den Titel holt.

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